Mysterium Cloud

alogis Cloud Experte Michael Giese
bringt Licht ins Dunkel

Micha, damit es keine Missverständnisse gibt, fass doch bitte kurz zusammen, was genau man unter Cloud Computing versteht?

Cloud Computing erfindet die Welt der Informationstechnologie natürlich nicht neu. Es stellt eine neue infrastrukturelle Ausrichtung dar und richtet sich damit am Trend der Globalisierung und sich immer weiter öffnenden Diensten aus. Ein Mensch möchte auf notwendige Daten und Services zugreifen, egal, wo er sich befindet und zu welcher Zeit er diese benötigt.

Mit Cloud Computing wird diesen Anforderungen eine einfach zu handhabende Grundlage gegeben. Software und Daten werden nicht mehr in eigenen Unternehmen, sondern in verteilten Rechenzentren verwaltet und angeboten. Somit wird ein zentraler Zugriff über das Internet möglich, ohne dafür eine eigene Infrastruktur im Unternehmen zur Verfügung stellen zu müssen.

Zusammenfassend gesagt, ist eine Cloud nichts anderes als ein Verbund von Computertechnik irgendwo in der Welt, der Rechenkapazitäten, Speicher und/oder fertige Softwarepakte über das Internet bereitstellt. Dabei kann das über einen öffentlichen oder einen ganz privaten, abgesicherten Zugang passieren. Das bezeichnet man dann als Public bzw. Private Cloud.

Gibt es da eigentlich nennenswerte Unterschiede/Kategorien?

Generell unterschieden wir hier zwischen 3 Kategorien.

Grundsätzlich kann man pure Hardware mieten, also Rechenleistung und Datenspeicher, natürlich mit den üblichen Zugriffsmöglichkeiten. Hier hat man die Möglichkeit, völlig frei Software zu installieren oder zu entwickeln. Vergleichbar ist dies mit einem neuen Rechner ohne Betriebssystem. Dieses Modell bezeichnet man als „Infrastruktur als Dienst“ - IaaS (Infrastructure as a Service).

In der folgenden Kategorie wird zusätzlich zur erforderlichen Hardware auch eine Umgebung, ein Betriebssystem, mit bestimmten Werkzeugen zur Verfügung gestellt. Am Beispiel der SAP wären hier "Neo" und "Cloud Foundry" zu nennen, die einem Kunden eine fertige Plattform für die Entwicklung und Verwaltung von Daten, Applikationen und Diensten bereitstellen. Das umfasst neben den Implementierungsmöglichkeiten auch Werkzeuge zum Monitoring, Reporting, Sicherung, Datensicherheit, Integrität und natürlich viele weitere. Ein solches Paket bezeichnet man als „Plattform als Dienst“ – PaaS (Platform as a Service).

„Software als Dienst“, also SaaS (Software as a Service), schließt diese Kategorisierung ab und bezeichnet die Bereitstellung von fertigen zentralen Applikationen. Diese können über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Beispiele sind hier SAP C/4HANA oder, viele kennen und benutzen es, Office 365 von Microsoft.

Es gibt noch viele weitere Versuche, diese Kategorisierung zu verfeinern, wie "GaaS" (Games as a Service), "FaaS" (Function as a Service) oder "DaaS" (Data as a Service). Letztendlich lassen sich diese aber immer auf die drei Grundformen zurückführen.

 

Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Vorteile, die einen Umstieg lohnenswert machen?

 

 

An erster Stelle stehen für ein Unternehmen natürlich die Kosten. Hier muss bewertet werden, in welchem Maße der Betrieb einer eigenen Hardwarelandschaft für die Abbildung der individuellen Anforderungen notwendig ist. Cloud Computing bietet hier natürlich jede Menge Potential. Die Beschaffung, und vor allem der kostspielige Betrieb eigener Ressourcen, entfällt. Das geht über die initiale Investition und die Administration hinaus. Strom, Kühlung, Sicherung, laufende Wartung etc. sind dabei nicht zu vernachlässigen. Das sind Faktoren, die eine Cloud Lösung automatisch mitbringt.

 

Auf der anderen Seite haben wir eine hohe Flexibilität. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit der einfachen und zeitnahen Skalierbarkeit, wenn sich Volumina oder Anforderungen ändern, zertifizierte Methoden zur Einhaltung der Datensicherheit, Hochverfügbarkeit und der per se mögliche ortsunabhängige Zugriff. Applikationen lassen sich einfach und schnell implementieren, ein Unternehmen kann sich dem eigentlichen Kerngeschäft widmen, eine im Verlauf gewachsene und nicht mehr zeitgemäße, inkompatible Infrastruktur wird vermieden und weitere Risiken im Bereich des IT-Betriebes werden ausgelagert.

Cloud Computing bietet nicht zuletzt auch den Vorteil eines kalkulier- und planbaren Blocks an periodisch zu zahlende Kosten.

Gibt es denn auch gewichtige Nachteile, die man für das einzelne Projekt bewerten muss?

Die große Sorge unserer Kunden ist natürlich die Datensicherheit, wenn sensible Unternehmensdaten in eine Umgebung verlagert werden, die sich außerhalb des eigenen Bereichs befinden. Hier sollte darauf geachtet werden, in welcher Region sich das Rechenzentrum des Cloud Anbieters befindet, denn die bestehenden Unterschiede in der Gesetzgebung bezüglich der Datenschutzrichtlinien sind oft erheblich. Hacker-Angriffe wird es sicherlich bei größeren Cloud Anbietern häufiger geben als auf das unternehmenseigene Netzwerk. Dieses Risiko bleibt, sollte aber durch die doch sehr professionelle Aufstellung großer kommerzieller Anbieter minimiert werden.

Auch die Bindung an einen Anbieter kann ein Problem darstellen. Bei IaaS ist ein möglicher Wechsel sicher nicht so problematisch wie auf einer ausgeprägten PaaS Umgebung.

Innerhalb eines konkreten Projektes muss abgewogen werden, in welchem Szenario der Einsatz in der Cloud wirklich Sinn macht. Der alleinige Grund, im Trend zu liegen, reicht nach unserer Auffassung nicht aus. Hier stehen unsere kompetenten technischen Berater mit Rat und Tat zur Seite.

 

Das waren jetzt die Punkte, die ein Fachmann hervorhebt. Sind das auch die Punkte, die in Kundenprojekten die größte Herausforderung darstellen?

Die aufgeführten Punkte möchte ich als IT Handwerk bezeichnen. Nicht falsch verstehen, aber die technischen Fragen sind auch in einer cloud-basierten Umgebung zu bewältigen, auch wenn durch die offene Umgebung zum großen Teil andere Technologien, Architekturen und Programmiermodelle zum Einsatz kommen als in einer onPremise Welt. Diese sind einem Kunden aber klar darstellbar.

Die aus unserer Sicht weitaus größere Herausforderung besteht in der genauen Analyse der bestehenden Prozesse und konkreten Anforderungen. Wird dieser Aspekt nicht in der erforderlichen Tiefe untersucht und ein zugeschnittenes Konzept erstellt, können die wirklichen Potentiale, die das Cloud Computing unbestritten zur Verfügung stellt, nicht annähernd ausgeschöpft werden. Nur auf dieser Grundlage kann aus der Vielzahl, der zur Verfügung stehenden Dienste und Möglichkeiten, die richtige Auswahl getroffen und ein passendes Produkt implementiert werden.

Vielen Dank für das Interview, Micha.

Sie haben Fragen zum Thema Cloud?
Rufen Sie uns gern an

Oder schreiben Sie uns

Ihr Ansprechpartner

Michael Giese
Senior Project Manager